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Fünf Gründe, warum ich nicht in der GEMA bin.

in Die GEMA-Petition 14.07.2009 17:19
von ulfradlof • 8 Beiträge

Hallo Allerseits,
ich habe diese Petition und dieses Forum intensiv verfolgt. Seit über 20 Jahren komponiere ich und verkaufe im In- und Ausland. Für große Shows, für Features, kleine Scores. Nichts Besonderes, Funktionsmusik, ein Job halt. Ich bin nicht in der Gema und spiele auch nicht mehr mit dem Gedanken, dort einzutreten. Warum?

1. Der Markt.
Seit vielen Jahren ist der Markt für GEMA-freie Musik stark gewachsen. Viele Deals kommen nur noch über Gema-Freiheit zustande. Das hat zur Folge, dass die GEMA-Komponisten draußen bleiben. Oder, sie tummeln sich unter Zweit-Identität auf dem Markt, um Jobs zu bekommen. Wer aufmerksam CD-DVD-Hüllen liest, oder die Tracklists bei Amazoon etc. durchgeht, kann erkennen: oft stehen keine Personen mehr, sondern Companies, als Urheber im Booklet. Warum wohl?

2. Die gute und die schlechte Quarte der GEMA ( U und E)
Kompositionen in zwei Kategorien aufzuteilen, in E ( ernste) und U ( unterhaltende) Musik ist musikwissenschaftlich gesehen, Mumpitz.
Viele Verwertungsgesellschaften weltweit haben diesen Quatsch längst über Bord geworfen. Jeder Musikwissenschafts-Student lernt in seiner ersten Musik-Ästhetik-Vorlesung: Es gibt keine gute und keine schlechte Quarte. Sicherlich kann man künstlerische Meisterschaft beurteilen und das kompositorische Handwerk.
Aber die Kategorisierung in U und E ist Zensur, Eingriff in die künstlerische Freiheit, qua Bewertung und ein Relikt aus der Zeit der Reichskulturkammer. Wer so eine Splittung mit ins 21. Jahrhundert genommen hat, hat nicht nur seine Füße noch in vordemokratischer Zeit. Neuerdings dürfen sich ja Jazz- und sogar Rockcomposer mit ihren Stücken einer wissenschaftlich besetzten Kommission stellen. Dann werden die Kompositionen auf Komplexität geprüft. Gehts noch? Gerade im Einfachen liegt die Stärke. Wenn es so leicht wäre, einen " drei Ackorde Gassenhauer " (DRMV) als Hit zu schreiben, würden wir das alle tun und wären reich und berühmt und könnten uns dann der Kunst widmen. Nein, nochmal, U und E ist unwissenschaftlich. Wer Argumentationsketten dafür aufbauen möchte, kommt am Ende immer bei " Swing tanzen verboten" raus.

3. Der Ruf der GEMA
Freunde und Bekannte aus der Veranstaltungsbranche reden leise, wenn sie von der GEMA sprechen. Von Spitzeln und Denunziation ist die Rede. Von Allmacht und Machtmissbrauch. Ich kenne persönlich keinen GEMA-Mitarbeiter. Aber der Leumund der GEMA ist so schlecht, dass mir das Vertrauen fehlt.

4. Die Vergangenheit
Meine Begeisterung für die Musik der 20-er und 30-er Jahre ist riesengroß. In diesem Forum gab es auch schon einen Hinweis auf den folgenden Fall, der ja niur einer von vielen ist. "Die Bar zum Krokodil" in der Comedian Harmonist -Version ist musikalisch und poetisch immer wieder ein "Glückserlebnis". Oder " Dein ist mein ganzes Herz" von Jan Cipura gesungen.
Der Texter Fritz Löhner Beda wurde in Auschwitz 1942 erschlagen. seine ganze Familie überlebte die Vernichtungsakrebie nicht.
Die oben genannten und weitere Hits wie, "ausgerechnet Bananen", "Was machst du mit dem Knie lieber Hans" u.v.m. warfen und werfen Tantiemen in Größenordnungen ab. Ich hoffe, dieser "Überhang", der durch, im Zuge der Judenvernichtung, getötete Urheber entstanden ist, wird von der GEMA komplett an jüdische Organisationen oder für caritative Zwecke überwiesen. Wenn nicht, und dieses Blutgeld blieb im großen Topf, hat die GEMA ein großes Problem und die Nutznießer ebenso. Ganz gleich, wie toll ihre Werke klingen.

5. Verteilungsgerechtigkeit
Wenn eine Band, ein Künstler 12 Jobs bundesweit mit Eigenkompositionen spielt, bekommt ggf. sie/er alle Jobs per Tantieme vergütet. Spielt die gleiche Band, der gleiche Künstler alle 12 Jobs in einer Stadt, sagen wir Berlin, bekommt sie/er nur einen Job per Tantieme vergütet. Die Veranstalter mussten aber alle zahlen. Egal, ob die zwölf Bundesweiten, oder die zwölf Berliner. Da die meisten Bands, lokale Bands sind, ergibt sich wieder ein erheblicher Überhang. Der deutsche umgangsprachliche Wortschatz hat dafür klare Termini, die ich schriftlich nicht fixieren möchte.

Abschließend möchte ich Frau Bestle meinen Glückwunsch aussprechen, sie hat etwas bewegt. Es war an der Zeit. Die Ergebnisse werden sicher erstmal klein sein, aber ich hoffe, wie so viele Andere auch, auf eine Bewegung in der Sache. Rechteverwertung und Abrechnung muss sein, aber bitte keine Monopole mehr. Wer auch immer etwas aufbauen möchte, dass gerechter, durchsichtiger und menschlicher ist: ich bin dabei. Die GEMA hat langfristig nur eine Wahl. Fällt die Gema-Vermutung, fällt das Monopol und damit auch die Gema. Wenn sie sich bis dahin nicht gewandelt hat.
p.s.
Allen kleinen Veranstaltern und ihren Künstlern rate ich, sich ins "Private" zurück zu ziehen, wenn die Petition keinen Erfolg hat. Bei Privatfeiern kann man auch schön musizieren und kennt die Leute, die kommen .-)
Ulf.

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