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Oktober news www.bseliger.de • Absender: evergreen, 29.10.2009 16:25

Auszüge, die Gema betreffend:

Manch einer mag sich an die kleine Anti-GEMA-Polemik im letzten Rundbrief erinnern. Wie die GEMA in einem internen Mitglieder-Rundbrief, den sie der Fachpresse zur Verfügung stellte, nun auf unsere Kritik einging, beweist schon ein gerüttet Maß an Einfältigkeit und Selbstzufriedenheit - mal abgesehen von der gezielten Lüge ihres "Direktors der GEMA-Direktion Außendienst", der behauptet, "Seliger hat noch nie eine Rechnung der GEMA erhalten", was wie gesagt schlicht die Unwahrheit ist, besonders interessant, wo doch die GEMA unsereinem "Halbwahrheiten" vorwirft - aber: darf bei diesem alle Verbraucher betreffenden Thema nur mitreden, wer GEMA-Rechnungen erhält?!?
Hübsch auch die einzige Replik auf den Vorwurf, der GEMA-Verteilungsschlüssel sei ungerecht - darauf entgegnet die GEMA in ihrer Presseerklärung: der kritisierte Verteilungsschlüssel werde "von den GEMA-Mitgliedern im Rahmen der Mitgliederversammlung beschlossen und ist somit Ausdruck des Willens der GEMA-Mitglieder. Ein wichtiges Detail, das oftmals übersehen wurde."
Klasse, nicht?
Es war keine Rede davon, wie der ungerechte Verteilungsschlüssel zustande kommt, es war die Rede davon, daß er UNGERECHT und zum Nachteil etlicher Künstler ist (nun ja, wahrscheinlich nicht zum Nachteil von Dieter Bohlen oder der "Prinzen"...). Es darf also der größte Schmarrn existieren, eine Ungerechtigkeit ist also berechtigt, weil die GEMA-Mitgliederversammlung sie beschlossen hat?!?
Das ist das Niveau, liebe Leserinnen und Leser, auf dem da argumentiert wird.
Besonders einfältig kommt der GEMA-Jockel daher, Tobias Künzel von den "Prinzen", der auf die GEMA-Kritik des letzten Rundbrief wortgewandt und in vollem Besitz seines logischen Denkvermögens, das allerdings gen null tendiert, im Newsletter der GEMA schreibt: "Auf jeden Fall ist es sehr erstaunlich, wie sehr sich plötzlich ein Veranstalter Sorgen um das Geld seiner Künstler macht. Wir sind seit 18 Jahren unterwegs und haben schon sehr viele Konzertagenturen erlebt, die ausschließlich auf ihren eigenen Gewinn orientiert waren, da ist soviel Selbstlosigkeit ja geradezu rührend."
"Auf" ihren eigenen Gewinn "orientiert" - klar, deutsches Sprak schweres Sprak, so wird man Textdichter bei der GEMA... Vor allem aber hübsch diese Logik - wir "Prinzen" waren in 18 Jahren so doof, auf etliche Konzertveranstalter reinzufallen, und weil das so ist, darf kein Konzertveranstalter sich Sorgen um das Geld seiner Künstler machen. Oder wie? Oder was?
Allerdings, eines ist gewiß: zum Thema "GEMA" dürfen Sie sich auf weitere Auseinandersetzungen - nun ja: freuen, oder gefaßt machen, je nachdem...

* * *
Die "Musikwoche" meldet, dass die Künstlerin Barbara Clear, die ihre Auftritte in großen Hallen selbst organisiert und veranstaltet, mit ihrer Klage gegen die GEMA vorm Münchner Landgericht gescheitert sei. Die Künstlerin hat von 2004 bis 2007 für ihre selbstveranstalteten Konzerte über 65.000 Euro an die GEMA bezahlt. Die GEMA hat an die Künstlerin allerdings nur 5.000 Euro ausgeschüttet - ein hübsches Beispiel für den Skandal des Verteilungsschlüssels, den die GEMA verwendet.
"Alle bezahlen Unsummen in den Topf, und ein paar tausend Mitglieder teilen sich rund zwei Drittel des Geldtopfes auf", kommentierte Barbara Clear das Unding, das GEMA heißt.
Interessant ist, dass die "Musikwoche" leider nicht weiter gefragt hat. Denn dann hätte sie erfahren können, dass der Fall Barbara Clear kein Einzelfall ist. Die GEMA hat eine Struktur, die einzelne Mitglieder einseitig bevorzugt. Wenn zum Beispiel eine Band vom Kaliber Lambchops ein Konzert vor 1000 Menschen gibt, dann bezahlt der Veranstalter eine hohe dreistellige Gebühr an die GEMA. Von diesem Geld sieht die Band, die praktisch nur Eigenkompositionen spielt und die im Grunde ja nun von der GEMA, die so tut, als ob sie die Rechte der Komponisten, Musiker und Songwriter vertreten würde, einen guten Teil der Gebühren erhalten müsste, praktisch kaum etwas - ein niedriger zweistelliger Betrag kommt bei Lambchop und ihrem Songwriter Kurt Wagner an. Dafür erhalten GEMA-Mitglieder wie Dieter Bohlen aufgrund eines absurden Verteilungsschlüssels Gelder, wenn Lambchop ihre eigenen Kompositionen spielen. Wie bescheuert, und vor allem: wie ungerecht ist das denn? Und weitere große Anteile der GEMA-Gebühren, die ja letztendlich von den Ticketkäufern, den Konzertbesuchern also, bezahlt werden, landen als "Verwaltungsanteile" bei der GEMA, ihren gigantischen Vorstandsgehältern oder in den Verwaltungsbauten - schaut euch die riesigen Gebäude in besten Lagen der Großstädte von Berlin bis München mal an, dann wisst ihr Bescheid!
Die Petition, die Hunderttausende aufgrund der begrüßenswerten Aktion von Monika Bestle an den Bundestag gerichtet hat, greift im Grunde natürlich viel zu kurz - nicht nur die durch nichts rechtfertigte Anhebung der GEMA-Gebühren ist ein Skandal, sondern die gesamte Existenz der GEMA ist das eigentliche Problem. Ein eingetragener Verein, der sich seine eigenen Gesetze macht und Gelder eintreibt, die er praktisch ausschließlich an seine eigenen Mitglieder verteilt, nach einem undurchschaubaren Verteilungsschlüssel - dagegen ist die sizilianische Cosa Nostra geradezu ein Wohltätigkeitsverein. Wie Kollege Marek Lieberberg, der der GEMA "Toilettenparolen" vorwirft, vorgerechnet hat, erhalten Urheber, die die Möglichkeit einer Direktverrechnung nicht nutzen können, nur 20 bis 25 Prozent der von den Veranstaltern gezahlten GEMA-Beträge. Und selbst deutsche Urheber, bei denen die GEMA die Möglichkeit der Direktverrechnung zulässt, erhalten gerade noch etwa 70 Prozent der durch die GEMA von den Veranstaltern einkassierten Vergütungsbeträge.
Die GEMA hat als e.V. die Lizenz zum Gelddrucken, und ihr durch nichts zu rechtfertigendes Monopol wird von der Politik nicht angetastet. Wenn wir über "Urheberrecht" diskutieren, dann sollten wir zunächst einmal über Legalität der mafiotischen GEMA sprechen. Krieg den GEMA-Palästen, sozusagen!

* * *
Daß Politiker irgendeine Ahnung haben, worüber sie sprechen, ist natürlich ein naiver Wunsch.
Renate Künast von den "Grünen" im Interview mit der "Berliner Zeitung" etwa:
"Wir fordern eine Kultur-Flatrate, die organisiert werden soll wie die Gema-Gebühr für Musiktitel."
Na sauber. Mal jenseits dessen, daß ich noch niemanden gefunden habe, der mir auch nur annähernd erklären konnte, wie eine sogenannte "Kultur-Flatrate" wirklich funktionieren kann, während ich andrerseits sofort und aus dem Handgelenk hundert gute Gründe dagegen vorbringen könnte - aber daß Frau Künast in Zeiten, da über hunderttausend Menschen eine Petition gegen die GEMA unterschrieben haben, einen weiteren eingetragenen Verein mit eigenen Gesetzen und gigantischer Bürokratie fordert, der Geld scheinbar auch nur an einige wenige Urheber ausschütten soll, eine weitere ungerechte Cosa Nostra (siehe oben) also - das kann doch der "Grünen" Ernst nicht sein!

* * *

Aber der Schwachsinn namens "Kultur-Flatrate" ist bei einem Volk, das auf "Geiz ist geil" steht und am liebsten alles in Flatrates wegkonsumiert (Telefontarife, Internet, Saufen, neuerdings gibt's ja sogar Flatrate-Puffs...), natürlich eine prima populistische Idee.
Sogar in de:bug - da dachte man doch tatsächlich, diese Zeitschrift sei ein bißchen die Einäugige im Jammertal deutscher Musikjournalistik - und dann dieses: Sie lassen Jonas Woost und andere vom soeben an den Medienmogul CBS verkauften "Last.fm" seitenlang vor sich hin fabulieren, unter anderem so:
"Debug: Bei einer Kultur-Flatrate verhielte es sich doch wie bei den Rundfunkgebühren. Erstmal zahlen das viele nicht, und wie werden die Künstler einzeln abgerechnet?
Woost: Ich führe die Diskussion so häufig und die Lösung ist wirklich denkbar einfach! Denn: die Daten sind ja alle da. Wir wissen genau, wann, was, für wen gespielt wurde. Das Land, die Uhrzeit, was davor und danach gespielt wurde. Wir sitzen auf den Daten und wir würden sie gerne rausgeben, anonymisiert natürlich. (Natürlich! BS) Spotify hat die Daten, Pandora hat die Daten. Die Frage nach der fairen Auszahlung ist doch sekundär (aha. BS). Wenn wir als Gesellschaft erstmal entscheiden, dass die Kreativen ausbezahlt werden, und zwar alle, und die GEMA (schon wieder! BS) oder jemand anders (gleich der Verfassungsschutz? BS) würde das Geld verwalten, wäre das doch kein Problem."
Und die Antwort, die dem de:bug-Interviewer einfällt, ist sage und schreibe nur: "Kann man in euren Augen bei der aktuellen Situation überhaupt noch von klassischem Musikkonsum sprechen?"
Das, was beliebte Medienfirmen wie Last.Fm, Google, Facebook oder wie sie alle heißen heutzutage an Daten sammeln und verwerten, hat gigantische Ausmaße - und ist komplett unkontrolliert. Dagegen ist Orwells Überwachungsstaat die reinste Idylle. Nur manchmal plaudern die Macher versehentlich aus, wie sie wirklich mit den Daten umgehen wollen, wenn sie können - siehe oben.

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